Regelenergie

Mit dem Ausbau der Erneuerbaren Energien kommt es naturgemäß zu höheren Schwankungen im Stromnetz, denn der Wind weht nicht immer und die Sonne versteckt sich leider öfters hinter Wolken. Trotzdem fällt die Stromversorgung in Österreich fast nie aus. Warum? Zum einen sind die Stromproduzenten verpflichtet, möglichst genaue Prognosen hinsichtlich der Liefermengen abzugeben, um die Einspeisung ins Stromnetz optimal zu planen und die Normalfrequenz im Stromnetz bei 50 Hertz zu halten. Was aber, wenn plötzlich der Stromverbrauch überraschend anzieht und jede noch so korrekte Prognose hinfällig wird? In diesem Fall greift die Regelenergie ein, um einen Zusammenbruch des Stromnetzes abzuwenden. Diese Reserve gleicht die Schwankungen im Stromnetz aus. Aus technischen und wirtschaftlichen Gründen werden drei Regelenergiearten unterschieden: die Primärregelung, die Sekundärregelung und die Tertiärregelung (“Minutenreserve“).

Doch es kann nicht nur, wie oben beschrieben, zu einer Nachfrage nach mehr Strom kommen, sondern auch zu einem Überangebot an Strom. In diesem Fall ist nicht eine zusätzliche Einspeisung von Strom gefragt, sondern eine Speicherung bzw. eine möglichst schnell einsetzende Herunterregelung von Kraftwerken. Auch diese Problematik fällt unter den Begriff “Regelenergie”. Bei dem Ausgleich von plötzlich erhöhter Nachfrage bei nicht ausreichendem Angebot spricht man von “positiver Regelenergie” – mehr Strom muss schnell in die Netze eingespeist werden. Der Ausgleich von erhöhtem Angebot und plötzlich schwacher Nachfrage wird hingegen als “negative Regelenergie” bezeichnet – Strom muss aus dem Netz genommen werden.

Ein Kraftwerk läuft wie gewohnt in Volllastbetrieb und ist über eine Telekommunikationseinheit, z.B. eine Next-Box, an den Regelenergiemarkt angeschlossen.
Der Betreiber bietet am Regelenergiemarkt die Bereitschaft an, im Notfall die Leistung seines Kraftwerks zu erhöhen oder zu drosseln – dafür erhält er eine Bereitschafts-gebühr, den Leistungspreis.
Bei einem Abruf, hier im Beispiel eine Drosselung der Einspeisung (negative Regelenergie), erhält der Betreiber zusätzlich eine Abrufvergütung – den Arbeitspreis.

Um alle Schwankungen auf dem heimischen Strommarkt sicher ausgleichen zu können, müssen die Erzeugungsanlagen zu jedem Zeitpunkt ein gewisses Volumen an Regelenergie bereitstellen – sowie für positive als auch für negative Regelleistung. Seit 2012 erfolgt in Österreich die Beschaffung der benötigten Regelleistung einheitlich durch den Regelzonenführer APG durch periodische Ausschreibungen über eine Internetplattform. Dabei werden Primär- und Sekundärregelleistung wöchentlich ausgeschrieben, während die Tertiärregelleistung werktäglich ausgeschrieben wird.

Den Großteil der Regelenergie stellen die großen österreichischen EVUs bereit. In Zukunft kommt jedoch Betreibern von Ökostromanlagen besonders in den Bereichen der Sekundärregelleistung und der Tertiärregelleistung eine größere Bedeutung zu. Allein für ihre Bereitschaft einzuspringen, bekommen die Anlagenbetreiber ein Entgelt – den sogenannten Leistungspreis. Zum Einsatz kommen die Anlagen je nach Bedarf, d.h. nach Abruf. In diesem Fall bekommen die Betreiber einen zusätzlichen Arbeitspreis für die Bereitstellung von Regelenergie. Die erzielten Arbeitspreise auf dem Regelenergiemarkt unterliegen teils Schwankungen, sind aber im Allgemeinen vorteilhaft für die Produzenten, da sie für gewöhnlich um ein Vielfaches über dem Preis für Normalstrom an den Energiebörsen liegen.

Die Kosten der Bereitstellung (Leistungspreis) werden durch das Systemdienstleistungsentgelt abgedeckt. Die anfallenden Energiekosten (Arbeitspreis) werden den Bilanzgruppenverantwortlichen übertragen. Die Bereithaltung wird durch eine wöchentliche Ausschreibung der Leistungsvorhaltung gesichert.

Die sogenannte “Stundenreserve” ist nicht Teil der Regelenergie, da die Stundenreserve, die nach maximal 60 Minuten die Tertiärregelung ablöst, nicht über den Regelenergiemarkt ausgeschrieben wird. Sollte eine Netzfrequenzschwankung nach 60 Minuten nicht durch die Primär-, Sekundär- und Minutenreserve ausgeglichen worden sein, ist der Verursacher der Netzfrequenzschwankung – und nicht mehr der Übertragungsnetzbetreiber – selbst dafür verantwortlich, das Gleichgewicht im Übertragungsnetz wiederherzustellen. Dies kann der Verursacher bewerkstelligen, indem er etwa eigene Kraftwerke abseits des Regelenergiemarkts hoch- oder herunterfährt, Fehlmengen über den Intraday-Handel an der Spotbörse oder aber über außerbörslichen Handel (“OTC – Over the counter”) zu- bzw. verkauft. Der Auslöser für die Stundenreserve ist häufig der Ausfall eines kompletten Kraftwerksblocks.