Dispatch & Redispatch

Der Begriff Dispatch bedeutet auf Deutsch „Kraftwerkseinsatzplanung“ und bezeichnet die Einsatzplanung von Kraftwerken durch den Kraftwerksbetreiber. Der Begriff Redispatch hingegen bezeichnet die kurzfristige Änderung des Kraftwerkseinsatzes auf Zuruf der Übertragungsnetzbetreiber zur Vermeidung von Netzengpässen.

Der Zweck des Dispatchs ist es, die in betriebswirtschaftlicher Hinsicht möglichst lukrative Fahrweise des eigenen Kraftwerksparks umzusetzen. Dazu wird der Einsatz aller verfügbaren Kraftwerke unter Berücksichtigung der variablen Kosten des Kraftwerkseinsatzes (bei Kohlekraftwerken u.a. die Kosten des Brennstoffs) und unter Berücksichtigung der zu erwartenden Preise am jeweiligen Absatzmarkt geplant, denn natürlich wird ein Kraftwerk nur eingesetzt, wenn seine variablen Kosten unter den zu erzielenden Absatzpreisen liegen. Das Ergebnis des Dispatchs ist die Allokation der verfügbaren Kraftwerksleistung in räumlicher (Welches Kraftwerk wird eingesetzt?), zeitlicher (Ab wann und für wie lange wird das Kraftwerk eingesetzt?) und gradueller Hinsicht (Soll das Kraftwerk in Teillast oder Volllast fahren?), die in einem sogenannten Fahrplan festgehalten wird.

Alle Kraftwerksbetreiber sind verpflichtet, diesen Erzeugungsfahrplan mit den von ihnen am Folgetag zu produzierenden Strommengen beim jeweiligen Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB) – der Austrian Power Grid (APG), der für die Netzstabilität in Österreich verantwortlich ist – anzumelden. Dazu übermitteln sie den Erzeugungsfahrplan aller eigenen Kraftwerke an den ÜNB. Aus der Summe aller Erzeugungsfahrpläne in der Regelzone ergibt sich der österreichweite Dispatch für den Folgetag – anders gesagt, der geplante Einsatz aller österreichischen Kraftwerke.

Auch im Bereich der Erneuerbaren Energien findet der Begriff Dispatch seine Berechtigung. Während sich bei fluktuierenden Erneuerbaren Energien wie Solar- und Windkraft der Erzeugungsfahrplan für den Folgetag durch die Auswertung von Wetterprognosen und Anlagenverfügbarkeiten ergibt, sind regelbare Erneuerbare Energien wie Biomasse, Biogas und Wasserkraft in der Lage, den Einsatz der eigenen Kraftwerke für die Zukunft zu planen.

Um den Begriff „Redispatch“ besser zu verstehen, ist es hilfreich, erneut auf die Übermittlung der Fahrpläne aller Kraftwerke an die Übertragungsnetzbetreiber zurückzukehren. Sobald der Übertragungsnetzbetreiber alle Fahrpläne erhalten hat, erstellt dieser für den Folgetag eine Übersicht der voraussichtlichen Ein- und Ausspeisung auf Netzebene, d.h., die APG führt eine Lastflussberechnung durch. Dabei sieht sich der Übertragungsnetzbetreiber an, welche Teile des Stromnetzes durch den gemeldeten Dispatch wie stark beansprucht würden. Um nun am Folgetag die Anzahl der kurzfristigen Eingriffe in die Fahrweise von konventionellen und regenerativen Kraftwerken zur Sicherung der Netzstabilität möglichst gering zu halten, wird bereits am Vortag das Ergebnis der Lastflussberechnung der Übertragungsnetzbetreiber genutzt, um die Kraftwerksbetreiber zur Verschiebung der geplanten Stromproduktion anzuweisen. Dadurch können vorausschauend und gezielt Netzengpässe vermieden werden. Diese Anweisung zur Verschiebung der Stromproduktion wird mit dem Begriff Redispatch bezeichnet.